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Seit dem Staatsstreich von 2021 mussten Pastor Yang und seine Frau mehrmals umziehen. Ihr Dienst richtet sich an Binnenvertriebene wie sie selbst.
Pastor Yang* erinnert sich noch genau an den Tag, an dem die MilitΓ€rjunta in Myanmar die Macht ΓΌbernahm. Es war im Februar 2021. Er war frisch verheiratet. Er und seine Frau Daisy Htun* waren gerade dabei, auf dem Markt Lebensmittel zu kaufen. PlΓΆtzlich marschierten Demonstranten durch die StraΓen. Das war recht ungewΓΆhnlich.
Neugierig geworden, zΓΌckt Daisy Htun ihr Handy und macht Fotos von den Demonstranten. Dann kaufen sie und ihr Mann auf dem Markt fertig ein und machen sich auf den Weg nach Hause. Unterwegs werden sie an einer Polizeisperre angehalten, wo sie aufgefordert werden, ihre Mobiltelefone abzugeben. Als die Polizisten die Fotos der Demonstranten finden, werden Daisy Htun und Pastor Yang zum VerhΓΆr beiseite genommen. Β»Zu dieser Zeit war ich Pastor einer Jugendgruppe. Sie verdΓ€chtigten mich, die Jugendlichen zur Teilnahme an den Demonstrationen zu ermutigen. Sie lieΓen uns schlieΓlich gehen, aber wir fΓΌhlten uns so unsicher, dass wir beschlossen, die Stadt zu verlassen.Β«
Im Februar 2021 hatte das Land seit etwa zehn Jahren ein recht stabiles demokratisches Regime genossen, das von relativem wirtschaftlichem Wohlstand begleitet wurde. Doch der Putsch der MilitΓ€rjunta setzte dem ein jΓ€hes Ende. Die BefΓΌrworter der Demokratie leisteten zunΓ€chst mit StraΓenprotesten Widerstand, doch dann entwickelte sich die Konfrontation zwischen MilitΓ€r und Opposition zu einem regelrechten BΓΌrgerkrieg. Das hat dazu gefΓΌhrt, dass Millionen von Menschen im ganzen Land zu Binnenvertriebenen wurden. Pastor Yang ist einer von ihnen.
Um den Gebieten mit bewaffneten Konflikten zu entfliehen, sind Yang und seine Frau mehrmals in neue StΓ€dte gezogen. Doch jedes Mal, wenn sie sich irgendwo niederlassen, breitet sich auch dort der BΓΌrgerkrieg aus. Und mit ihm bricht das gesamte WirtschaftsgefΓΌge zusammen, und die Armut steigt unter der gesamten BevΓΆlkerung
rasant an.
In diesem Kontext begehen Milizen durch Erpressung der ZivilbevΓΆlkerung schwere Γbergriffe. Dabei werden vor allem die schwΓ€chsten Minderheiten ins Visier genommen, insbesondere die Christen.
Β»In diesem Jahr wurden einige Christen aus meiner Kirche von diesen Gruppen angegriffen. Man verband ihnen die Augen und zwang sie mit einem auf den Kopf gerichteten Gewehr, sich auf den Boden zu legen. Ihre HΓ€user wurden durchsucht, um ihr Geld und all ihre wertvollen BesitztΓΌmer zu nehmen. Und wenn es nichts zu holen gab, stahlen sie die Handys und MotorrΓ€der.Β«
β Pastor Yang
Das Ergebnis war, dass viele Christen flohen und Pastor Yang eine leere Kirche vorfand. Dann Β»kam die Miliz zu meinem Haus. Sie nahmen mein Motorrad und stahlen 150.000 KyatΒ«, was zwei MonatsgehΓ€ltern entspricht. Dann beschloss auch Yang, erneut umzuziehen.
Doch die wiederholten UmzΓΌge mit kleinen Kindern zehren an den KrΓ€ften des Paares. Β»Wir mussten inmitten des LΓ€rms von Schusswaffen und explodierenden Bomben leben. All dies hat meine Frau zutiefst traumatisiert. Sie hat nachts panische Angst, wenn sie LΓ€rm hΓΆrt. Sie hat Herzprobleme entwickelt. Auch meine Kinder haben Angst vor LΓ€rm. Als Ehemann und Vater fΓΌhle ich mich manchmal hilflos, wenn es darum geht, die Sicherheit meiner Familie zu gewΓ€hrleisten.Β«
Dennoch bleibt Yang standhaft. Β»Auch wenn ich mich manchmal verzweifelt fΓΌhle, weiΓ ich, dass Gott mit uns ist. Er hat uns bis jetzt bewahrt, damit wir ihm weiterhin dienen kΓΆnnen. Unsere Familie betet jeden Abend, dass Gott uns die Kraft gibt, dieses Rote Meer in unserem Leben zu durchqueren. Wir beten Psalm 23, bevor wir ins Bett gehen.Β«
Und dann, eines Tages, lernte Pastor Yang Partner von Open Doors kennen und nahm an einem Seminar zur Vorbereitung auf Verfolgung teil. Dort traf er andere Pastoren in seiner Lage und begann, mit ihnen an Versammlungen fΓΌr Leiter teilzunehmen. Β»Ich war ΓΌberglΓΌcklich. Mir wurde klar, dass dies von entscheidender Bedeutung war, da ich mich aufgrund des unzuverlΓ€ssigen Mobilfunknetzes und der regelmΓ€Γig unterbrochenen Internetdienste oft einsam und von anderen GlΓ€ubigen getrennt fΓΌhlte.Β«
Der Pastor hat seinen Dienst neu ausgerichtet und unterstΓΌtzt jetzt vertriebene Christen in Partnerschaft mit Open Doors. Und er pflegt kostbare Zeit in der Gemeinschaft mit anderen Pastoren wie ihm. Die Teilnahme an diesem Austausch kann ihn jedoch auch in Gefahr bringen. Β»Auf meinem Weg zu diesen Treffen begegne ich oft Soldaten. Ich muss weise auf ihre Fragen antworten, sonst kΓΆnnten sie misstrauisch werden, uns einsperren oder tΓΆten.Β«
Er erinnert sich an eine Situation, in der er und andere Pastoren nur knapp dem Schlimmsten entgangen waren. Β»Eines Tages waren wir auf dem Weg zu einem Pastorentreffen. Wir wurden von Soldaten angehalten, die uns zwangen, uns am StraΓenrand niederzuknien. Sie durchsuchten unsere Taschen, wΓ€hrend sie ihre Gewehre auf unsere KΓΆpfe richteten. Sie unterzogen uns einem VerhΓΆr, um den Grund fΓΌr unsere Reise zu erfahren. Zum GlΓΌck konnte ich eine plausible Antwort finden, damit sie uns gehen lieΓen.Β« Pastor Yang ist sich sicher:
Β»Die Gebete der Christen auf der ganzen Welt schΓΌtzen uns.Β«
β Pastor Yang
Doch sind Schutz und Sicherheit nicht ihre einzigen BedΓΌrfnisse. TΓ€glich das NΓΆtige zu finden, um seine Familie zu ernΓ€hren, ist eine echte Herausforderung. Er und seine Frau haben von Open Doors etwas finanzielle UnterstΓΌtzung erhalten, um ein kleines Unternehmen zu grΓΌnden. Es ist vor allem Daisy Htun, die sich darum kΓΌmmert und mit dieser TΓ€tigkeit ein kleines Einkommen erzielt. Β»Die Gewinnspannen sind gering, aber es hilft uns sehr, um uns ΓΌber Wasser zu haltenΒ«, erzΓ€hlt Pastor Yang. Und sogar, um den Christen in ihrer NΓ€he ein wenig zu helfen.
Trotz der zunehmenden Schwierigkeiten hat der Pastor heute einen Traum fΓΌr die Zukunft: Β»Ich hoffe und glaube, dass es eines Tages Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit in unserem Land geben wird. Es ist mein Traum und Gebet, dass wir die Freiheit haben, das Evangelium zu teilen und den Herrn frei anzubeten.Β« So sei es.
* Namen geΓ€ndert