3 Minuten Lesezeit
In Indien stehen Christen zunehmend unter Druck. In mittlerweile 13 indischen Bundesstaaten gibt es Anti-Konversionsgesetze , was die Evangelisation erheblich erschwert. Kirchenleiter werden der Missionierung beschuldigt, was wiederum zu rechtlichen Problemen fΓΌhrt.
Die strengen Gesetze gegen Bekehrungen verΓ€ndern die Arbeit der Kirchen und die Gottesdienste der Christen im Land. Dahinter steht die reale Angst vor Ausschreitungen extremistischer hindu-nationalistischer Gruppen.
Nun zeigen zwei beunruhigende VorfΓ€lle, inwieweit diese Vorschriften das kirchliche Leben bedroht und die Religionsfreiheit im bevΓΆlkerungsreichsten Land der Welt beschneidet.
In Chhattisgarh, einem Bundesstaat in Zentralindien, haben mehr als zehn Kirchen in einem Bezirk Hinweisschilder angebracht, auf denen Besucher darauf hingewiesen werden, dass sie das KirchengelΓ€nde auf eigene Gefahr betreten.
Die AushΓ€nge enthalten eine unmissverstΓ€ndliche Botschaft:
Β»Nur Christen dΓΌrfen die Kirche zum Gebet betreten. Wenn andere aus freiem Willen kommen, werden sie fΓΌr ihre Entscheidung zur Verantwortung gezogen.Β«
β Schild an Kirchen in indien
Kirchenvertreter erklΓ€rten, die Hinweisschilder seien in erster Linie als VorsichtsmaΓnahme angebracht worden, um MaΓnahmen im Rahmen des Gesetzes ΓΌber die Religionsfreiheit von Chhattisgarh aus dem Jahr 2026 zu vermeiden.
Die Bekanntmachungen folgten unmittelbar auf die Einreichung von mehr als 1.000 SelbsterklΓ€rungsformularen bei der Bezirksverwaltung durch Nichtchristen, in denen diese angaben, Kirchen freiwillig zu besuchen. Die Formulare enthalten Angaben zum Antragsteller und zur Kirche und verlangen von den Antragstellern die ErklΓ€rung, dass sie keiner unzulΓ€ssigen Beeinflussung, Drohung, Gewalt, TΓ€uschung oder Verleitung ausgesetzt waren und dass ihnen kein Fall einer Zwangskonvertierung bekannt ist.
Diese Formulare werden auch in Maharashtra verwendet, einem Bundesstaat in Zentralindien. Dort wurde Ende August ein Gesetz gegen Bekehrungen in Kraft gesetzt, das lokale Pastoren ebenfalls zu einem radikalen Schritt veranlasst hat: Sie bitten die Gottesdienstbesucher, ein Formular zur Β»SelbsterklΓ€rungΒ« auszufΓΌllen, in dem sie bestΓ€tigen, dass sie aus freiem Willen an den Gebetstreffen teilnehmen.
Γhnlich wie die Formulare im Bundesstaat Chhattisgarh besagen diese Β»SelbsterklΓ€rungsformulareΒ«, dass die GlΓ€ubigen aus eigener Β»EntscheidungΒ« an Gebetsversammlungen teilnehmen und dass sie keinerlei Β»Druck, Verleitung, Versuchung, Anreiz oder Drohung jeglicher ArtΒ« ausgesetzt sind. Weiter heiΓt es darin, dass ihre Entscheidung, den Gottesdienst zu besuchen, Β»vΓΆllig persΓΆnlich, freiwillig und unabhΓ€ngigΒ« sei. Das Formular verlangt von den GlΓ€ubigen zudem die Vorlage von Ausweisdokumenten und Fotos, was ihre Teilnahme an kirchlichen AktivitΓ€ten um eine weitere Dokumentationsstufe ergΓ€nzt.
Pastoren und Vertreter der Kirche erklΓ€ren, die ErklΓ€rungen sollen verdeutlichen, dass die Teilnahme an Gebetstreffen und Gottesdiensten freiwillig ist und nicht auf Zwang oder Verleitung beruht.
Beide neuen MaΓnahmen unterstreichen jedoch die wachsende Besorgnis unter christlichen Gemeinden darΓΌber, wie sich neue gesetzliche Bestimmungen auf ihre religiΓΆsen AktivitΓ€ten und den Umgang mit den GlΓ€ubigen auswirken kΓΆnnten. Das Anbringen eines Schildes oder die Aufforderung an KirchgΓ€nger, ein Formular zu unterschreiben, sind beunruhigende Anzeichen fΓΌr die schwindende Religionsfreiheit in Indien.
Β»Christliche Leiter und GlΓ€ubige sind aufgrund dieser Berichte ΓΌber die Freiheit und Sicherheit des christlichen Gottesdienstes besorgtΒ«, berichtet Priya Sharma*, eine lokale Partnerin von Open Doors.
Β»Wir bitten um Gebet fΓΌr die Kirche in Indien, damit sie Schutz, Mut, Weisheit, Gerechtigkeit und Frieden erlangt, und fΓΌr die Freiheit jedes Einzelnen, seinen Glauben ohne Angst auszuΓΌben.Β«