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Mehr als ein Jahr nach dem Beginn eines brutalen BΓΌrgerkriegs im Sudan fΓΌhlen sich die Christen verlassen und vergessen. Das berichtet ein Sprecher von Open Doors.
Im April 2023 brach im Sudan zwischen der nationalen Armee und den Rapid Support Forces (RSF) ein BΓΌrgerkrieg aus. Illia Djadi, Analyst von Open Doors fΓΌr Religions- und Glaubensfreiheit in Subsahara-Afrika, reiste Anfang Mai in die Region und sprach mit Gemeindeleitern, die ausdrΓΌckten, dass sich vom Rest der Welt vergessen fΓΌhlten. Β»Die Situation verschlechtert sich jeden Tag und die Welt reagiert nicht. Es herrscht ein starkes GefΓΌhl, im Stich gelassen zu werdenΒ«, fasste er zusammen.
Β»Der Sudan ist Schauplatz der weltweit grΓΆΓten Massenvertreibung, fast 9 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Und er ist mit der grΓΆΓten Hungerkrise der Welt konfrontiert, aber er erhΓ€lt nicht die Aufmerksamkeit und die Reaktion, die er im Vergleich zu anderen Krisen erhalten sollteΒ«, erklΓ€rt Djadi weiter.
FΓΌr die zwei Millionen Christen im Sudan ist die Situation besonders schwierig. Das mehrheitlich muslimische Land steht auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors an achter Stelle. Das Leben vieler Christen war bereits schwierig, doch der Ausbruch der Gewalt setzte sie zusΓ€tzlich unter Druck. Β»Es gibt keine Sicherheit, keinen SchutzΒ», stellt Illia Djadi fest. Β»Weder vor den Kriegsparteien noch vor Opportunisten, die die Situation ausnutzen, um ihre eigenen PlΓ€ne voranzutreiben. Christen und ihre Kirchen wurden ungestraft angegriffen.Β«
Bisher wurden mehr als 150 Kirchen beschΓ€digt oder zerstΓΆrt, entweder mutwillig und gezielt oder aufgrund der aktuellen Gewalt.
Die Christen, die gezwungen sind, ihre HΓ€user zu verlassen, fliehen oft mehrmals und verlieren so den Kontakt zu den anderen Mitgliedern der kleinen christlichen Gemeinschaft.
FΓΌr Christen bedeutet ihr Glaube, dass sie besonders verletzlich sind. Dort, wo sie Zuflucht finden, kΓΆnnen sie von ihren Mitmenschen und bei der Verteilung von HilfsgΓΌtern diskriminiert werden. Ein groΓer Teil der Kirche ist aufgrund der aktuellen Situation auf der Flucht und dadurch nicht in der Lage, ihre Mitglieder zu versorgen.
Christliche Leiter befΓΌrchten insbesondere, dass die ehemals regierenden Islamisten die derzeitige Unsicherheit ausnutzen kΓΆnnten, um wieder an die Macht zu kommen und strenge islamische Gesetze aus der Β«SchariaΒ», wie das Blasphemiegesetz, wieder einzufΓΌhren. Unter der zivil-militΓ€rischen Regierung, die nach der Vertreibung des Diktators Omar al-Bashir im Jahr 2019 eingesetzt wurde, waren einige dieser Gesetze abgeschafft worden.
Die humanitΓ€re Krise im Sudan erfordert besondere Aufmerksamkeit, betont Illia Djadi. Β»Es besteht die reale Gefahr, dass der Sudan zu einem zweiten Libyen wird, wo der Sturz von Oberst Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 ein Machtvakuum hinterlassen hat. Diese Situation hatte schwerwiegende Folgen fΓΌr die Region, weil sie Raum geschaffen hat fΓΌr Waffen- und Drogenhandel, und sie hat Konflikte in anderen Teilen des Kontinents befeuert.Β«